Gesundheit

Canaan Dog

Vor der Zuchtzulassung abzuklären

1. Erbliche Augenerkrankungen

Zu den abzuklärenden Augenerkrankungen siehe oben. Bei den Canaan Dogs muss die Augenuntersuchung durch qualifizierte Fachtierärzte für Augenheilkunde, die dem DOK (Dortmunder Kreis) angehören, oder durch vergleichbar qualifizierte Fachtierärzte für Augenheilkunde oder Veterinärmediziner mit der Zusatzbezeichnung „Augenkrankheiten“ erfolgen.

2. Hüftgelenksdysplasie

Die Hüftgelenksdysplasie tritt eher bei mittelgroßen und großen Hunderassen auf, kommt jedoch auch bei kleineren Hunden vor. Betroffene Hunde zeigen eine Fehlbildung des Hüftgelenks, in deren Folge der Oberschenkelkopf keinen hinreichenden Halt in der Hüftgelenkspfanne findet. Durch die zu hohe Beweglichkeit des Oberschenkelkopfes werden die Nervenfasern der Knochenhaut am Rand der Hüftgelenkspfanne gereizt, so dass entsprechende Schmerzen entstehen, je nach Schwere der HD auch schon bei sehr jungen Hunden. Bei älteren Hunden kann es zu Arthrosen kommen. Typische Symptome sind zunehmende Beschwerden in der Bewegung, z. B. beim täglichen Spaziergang; betroffene Hunde zeigen einen instabilen Gang, lahmen, setzen sich hin oder lassen sich fallen, gegebenenfalls begleitet durch Winseln oder Jaulen.

Die Hüftgelenksdysplasie ist erblich veranlagt, die Ausbildung der Hüftgelenke des individuellen Hundes ist jedoch, auch wenn z. B. eines der Elterntiere eine HD aufweist, nicht eindeutig vorhersagbar. Auch können ideale Haltungsbedingungen nur begrenzt, manchmal auch gar nicht gegensteuern. Verkompliziert wird die Problematik auch dadurch, dass der Grad der tatsächlich zu beobachtenden Symptome nicht dem Grad der Dysplasie oder Arthrose entsprechen muss. Nicht alle Hunde mit schwerer HD zeigen auch schwere Symptome, während andere mit geringgradiger HD sichtbare Probleme und auch Schmerzen haben können.

Daher ist mit Blick auf die Zucht mit betroffenen Tieren größte Vorsicht geboten, da von HD betroffene Hunde zwar keine oder nur geringfügige Symptome zeigen können, die Veranlagung für die HD aber an ihre Welpen vererben können, die dann auch deutlichere Symptome, Schmerzen und Lahmheit etc. entwickeln können. Daher wird vor der Zuchtzulassung eines Kanaan-Hundes im DCNH e. V. zunächst mit Hilfe von Röntgenaufnahme der Hüftgelenke (unter Narkose) festgestellt, ob eine Hüftgelenksdysplasie vorliegt. Ob und wie stark der Hund betroffen ist, wird in entsprechenden Graden festgelegt:

A = kein Hinweis auf eine Hüftgelenksdysplasie
B = Grenzfall, Übergangsform zur Hüftgelenksdysplasie
C = leichtgradige Hüftgelenksdysplasie
D = mittelgradige Hüftgelenksdysplasie
E = hochgradige Hüftgelenksdysplasie

Hunde mit den HD-Graden A und B dürfen ohne Auflagen miteinander verpaart werden. Für Hunde mit HD-Grad C wird eine Zuchtgenehmigung nur für einen Partner mit HD-Grad A oder B und mit der weiteren Auflage erteilt, dass die Welpen aus diesem Wurf einer Nachzuchtbeurteilung (in der Regel auf einer Ausstellung) zugeführt werden. Nur wenn mindestens 50 % dieser Welpen einen HD-Grad A oder B aufweisen, darf das Elterntier mit HD-Grad C noch einmal zur Zucht eingesetzt werden (mit den entsprechenden Auflagen).
Hunde mit den HD-Graden D und E sind von der Zucht ausgeschlossen.

3. Degenerative Myelopathie

Bei der degenerativen Myelopathie (DM) handelt es sich um eine Degeneration der Nerven im Rückenmark des betroffenen Hundes, die erst ungefähr ab dem 8. Lebensjahr einsetzt und sich üblicherweise zunächst durch unkoordinierte Bewegungen und Ausfallerscheinungen in der Hinterhand zeigt, schließlich aber auch auf die Vorderläufe ausbreitet. Die degenerative Myelopathie ist nicht heilbar und führt in der Regel dazu, dass der betroffene Hund eingeschläfert werden muss. Die Erkrankung kommt in einigen Hunderassen vor, fällt aber nicht immer auf, da gerade bei allgemein weniger langlebigen Rassen als den Kanaan-Hunden Tiere mit Risiko für DM vor Ausbruch der Erkrankung versterben.

Die degenerative Myelopathie wird autosomal-rezessiv vererbt, Hunde können frei (N/N), Träger (N/DM) oder „at risk“ (DM/DM) sein. Bevor es einen entsprechenden Gentest gab, war die Situation für Züchter auch deshalb so schwer einzuschätzen, weil weitere genetische Faktoren und Umwelteinflüsse zum Ausbruch der Erkrankung beizutragen scheinen und selbst Hunde mit zwei Kopien des mutierten Gens, die also „at risk“ für die Erkrankung sind, diese nicht zwingend entwickeln. Bei der Zucht ist dennoch darauf zu achten, dass zwar weiterhin Träger zum Einsatz kommen können, um den Genpool der Canaan Dogs, wie bei anderen Rassen auch, nicht zum größeren Schaden der Population einzuschränken; dass diese Träger aber nur mit DM-freien Hunden verpaart werden. Statistisch entstehen aus einer solchen Verpaarung dann 50 % freie Welpen und 50 % Träger.

Die Verpaarung eines „at risk“-Hundes mit einem DM-freien Zuchtpartner wäre ebenfalls denkbar, würde jedoch unweigerlich dazu führen, dass alle aus dieser Verpaarung entstehenden Welpen wiederum DM-Träger wären. Vom Zuchteinsatz eines „at risk“-Hundes würden wir daher Abstand nehmen, da aus unserer Sicht die Population der Canaan Dogs aktuell nicht derart gefährdet ist, dass ein Wurf mit Welpen, die allesamt Träger der degenerativen Myelopathie wären, gerechtfertigt erschiene.

Darüber hinaus zu beobachten

CDDY/IVDD

(Chondrodystrophie und Hansen´s Type I Intervertebral Disc Disease):

Die Chondrodystrophie (CDDY) ist primär ein Problem der chondrodystrophen Rassen, die einen sehr anders gearteten Körperbau aufweisen als die Canaan Dogs; sie geht einher mit verkürzten Gliedmaßen und einer Störung der Knorpelbildung im Nucleus Pulposus, dem inneren Gallertkern der Bandscheibe. In der Folge erhöht sich bei betroffenen Tieren das Risiko für Bandscheibenvorfälle (Type I Intervertebral Disc Disease, IVDD), die bereits bei Junghunden auftreten und zu entsprechenden Schmerz- und Lähmungserscheinungen führen können. Betroffene Hunde weisen eine Genmutation auf, die heute durch einen Gentest identifiziert werden kann, jedoch führt diese Mutation nicht automatisch zu einer Erkrankung an IVDD, sondern erhöht das Risiko um ca. 5-15 %, wobei chondrodystrophe Rassen einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind. Nach aktuellem Forschungsstand haben zwar Hunde, die das CDDY/IVDD-Gen mischerbig tragen, ein ähnliches Risiko einer Erkrankung wie reinerbig betroffene Hunde, jedoch kann für das individuelle Tier anhand der bisher vorliegenden Datenlage das konkrete Risiko, die Krankheit zu entwickeln, nicht vorhergesagt werden. Zudem gibt es Rassen wie den Beagle oder den Cocker Spaniel, in denen nahezu jedes Tier das CDDY/IVDD-Gen trägt, die meisten Hunde aber keine entsprechenden Symptome entwickeln. Daher geht die Forschung davon aus, dass es weitere sowohl genetische als umweltbedingte Einflüsse gibt, welche die Krankheit zum Ausbruch bringen.

Ein Canaan Dog mit tatsächlicher Erkrankung an IVDD ist uns bisher nicht bekannt. Wir beobachten die Gesundheit aller unserer Hunde sehr genau und halten es grundsätzlich für sinnvoll, insbesondere bei Canaan Dogs mit IVDD-Gen auf Schlankheit und ausreichende, aber nicht übertrieben belastende Aktivität zu achten. Sollten wir einmal einen Canaan Dog mit IVDD-Gen haben, würden wir nach jetzigem Stand, solange keine Erkrankung erkennbar wird, seine Aktivitäten nicht einschränken. Lucy und Luca sind frei von IVDD.

In Ermangelung hinreichend negativer, konkreterer Informationen sehen wir für eine Besorgnis bzgl. IVDD bei den Canaan Dogs aktuell keinen Anlass, werden die Erkenntnislage aber weiterhin aufmerksam verfolgen. Die Forschung hat die Frage zu klären, ob das CDDY/IVDD-Gen seinen negativen Effekt auch bei dieser Rasse haben kann.