Gesundheit

Kleinspitz und Mittelspitz

Vor der Zuchtzulassung abzuklären

Patellaluxation

Bei der Patellaluxation handelt es sich um eine Ausrenkung der Kniescheibe, die in ihrer genetisch bedingten Form vor allem bei Junghunden kleiner Hunderassen im Wachstum auftritt, aber auch traumatische Ursachen haben kann. Die Kniescheibe springt hierbei seitlich aus ihrer Führungsrinne, so dass das Kniegelenk seine Funktion nicht mehr ausüben und der Hund das Bein nicht mehr ohne Schmerzen oder Lähmungserscheinungen belasten kann.

Bevor ein Klein- oder Mittelspitz zur Zucht zugelassen wird, muss ein durch den Bundesverband Praktizierender Tierärzte e. V. qualifizierter Untersucher die Neigung des Hundes zur Patellaluxation (ab einem Alter von mind. 12 Monaten) feststellen und in verschiedene Grade einteilen:

Grad 0: Die Kniescheibe kann ihre physiologische Position nicht verlassen.

Grad I: Die Kniescheibe befindet sich in ihrer physiologischen Position und kann zwar durch Druck aus ihrer Führungsrinne verlagert werden, springt nach Aufheben des Drucks aber sofort wieder in diese zurück.

Grad II: Die Kniescheibe befindet sich in ihrer physiologischen Position, kann durch Druck aus ihrer Führungsrinne verlagert werden und verbleibt dort, bis sie durch eine Beinbewegung oder manuellen Druck in die Führungsrinne zurückspringt.

Grad III: Die Kniescheibe ist luxiert; sie kann zwar durch Druck in ihre physiologische Position gebracht werden, springt aber nach Aufheben des Drucks wieder aus der Führungsrinne.

Grad IV: Die Kniescheibe ist luxiert und kann auch durch Druck nicht mehr in ihre physiologische Position gebracht werden.

Der durch den Untersucher diagnostizierte Grad der Neigung zur Patellaluxation wird im Rahmen der Zuchtzulassung auch in der Ahnentafel des Hundes eingetragen. Der Eintrag „0/0“ bedeutet z. B., dass sowohl bei der linken als auch der rechten Kniescheibe der Grad 0 festgestellt wurde.

Darüber hinaus zu beobachten

1. Erbliche Augenerkrankungen

Nicht vorgeschrieben, aber empfehlenswert ist eine Untersuchung auf bekannte erbliche Augenerkrankungen, darunter Katarakte, Korneadystrophie (Hornhauttrübung), Linsenluxation, Membrana Pupillaris Persistens und die progressive Retinaatrophie (prcd-PRA, Retinadegeneration). Die Untersuchung sollte ab einem Alter von 12 Monaten durchgeführt werden.

2. Alopezie (Alopecia X)

Mit Alopezie wird ein fortschreitender Haarausfall des Hundes an Hals, Rumpf, Oberschenkeln und Rute bezeichnet, von dem auch der Spitz, insbesondere der Zwergspitz (Pomeranian) betroffen sein kann. Die Alopecia X gilt als bedingt behandelbar, z. B. durch eine Hormontherapie, da eine hormonelle Störung in den Haarwurzeln als Ursache vermutet wird. Der Fellwuchs kann zeitweise wieder angeregt werden, oft setzt der Haarausfall aber nach einer gewissen Zeit wieder ein.

Die genauen Auslöser für Alopecia X sind noch unklar (daher auch der Zusatz X). Ebenso ist nicht gesichert, ob es eine erbliche Veranlagung gibt. Dementsprechend steht auch ein Gentest bislang nicht zur Verfügung.

3. Epilepsie

Auch der Erbgang der Epilepsie bei Hunden wird noch erforscht. Prof. Dr. Tosso Leeb vom Institut für Genetik an der Universität Bern (https://www.genetics.unibe.ch/) äußerte sich hierzu in einem Interview mit dem „Schweizer Hunde Magazin“ (Nr. 6, 2011, S. 24-31) wie folgt: „Die meisten Epilepsieformen beim Hund werden komplex vererbt. Es spielen somit mehrere genetische Risikofaktoren eine Rolle. Und um diese Faktoren aufschlüsseln zu können, braucht es sehr viele Proben einer einzelnen Hunderasse, die zudem auch sehr gut diagnostiziert sein müssen. Das ist keine leichte Aufgabe und bedarf der internationalen Zusammenarbeit unter den Forschern. (…) Sobald bei größeren Hunderassen genetische Risikofaktoren definiert sind, werden diese natürlich auch mit den Proben epileptischer Hunde aus anderen Rassen verglichen. Gerade bei kleineren Rassen, bei denen es nicht so viele betroffene Hunde gibt, ist dies von Bedeutung, denn innerhalb dieser Rassen ist es an sich fast nicht möglich, einen Durchbruch zu erreichen.“

Bis neue wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse vorliegen, empfiehlt sich eine genaue Beobachtung, wie viele und welche Hunde innerhalb der Rasse „Deutsche Spitze“ und ihren Größenvarietäten von Epilepsie betroffen sind. Bisher ist die Datenlage auch nach Ansicht von Prof. Dr. Leeb zu schwach, um hieraus verlässliche Deutungen ableiten zu können. Leider erkranken Hunde auch oft erst später in ihrem Leben und nicht schon als Welpe. Solange nicht geklärt ist, ob z. B. bei den Klein- und Mittelspitzen ein bestimmtes Gen allein für die Erkrankung verantwortlich ist und wie dieses Gen vererbt wird, lassen sich auch keine klar zu definierenden Regeln für Verpaarungen aufstellen. Wüsste man beispielsweise, dass die Erkrankung autosomal-rezessiv vererbt wird (so dass nur Hunde mit zwei Kopien der Mutation klinische Symptome zeigen), wäre klar, dass beide Elterntiere, auch wenn sie keine Symptome zeigen, verdeckte Träger der Erkrankung sein könnten. Somit könnte sich jeweils die mutierte Kopie des Gens auf einen Welpen vererben, der dann nicht nur Träger wäre, sondern tatsächlich „at risk“ für eine Erkrankung (sofern nicht auch weitere Faktoren für den Ausbruch der Epilepsie eine Rolle spielen sollten).

Für uns als Züchter hätte dies zur Folge, dass wir jedes Zuchttier testen lassen und darauf achten könnten, keine Träger miteinander zu verpaaren, aber durchaus einen Träger mit einem freien Hund zusammenbringen könnten (so ist es z. B. bei den Kanaan-Hunden, siehe dort unter „Degenerative Myelopathie“). Denn die Träger einer erblich bedingten, autosomal-rezessiv vererbten Erkrankung komplett aus der Zucht auszuschließen, könnte wiederum die genetische Diversität der Rasse oder Varietät unzulässig reduzieren. Selbstverständlich müssten dann die Welpen, falls sie später wiederum zur Zucht eingesetzt werden sollten, ebenfalls darauf getestet werden, ob sie frei oder Träger der Erkrankung sind.

Derzeit bleibt nur zu hoffen, dass die Forschung zur Epilepsie beim Deutschen Spitz zu einem späteren, möglichst baldigen Zeitpunkt zu verlässlichen Erkenntnissen gelangen und auch ein Gentest entwickelt werden kann. Bis dahin können wir uns nicht vorstellen, einen von Epilepsie betroffenen Spitz zur Zucht einzusetzen.

4. Paroxysmale Dyskinesie

Hierbei handelt es sich um durch neurologische Fehlfunktionen ausgelöste Bewegungsstörungen, die sich meist durch krampfartige Zuckungen in den Beinen (überwiegend den Hinterläufen) zeigen, mitunter auch durch ein Verdrehen des Körpers, leichtes Zittern des Kopfes, verminderte mentale Aktivität und „leeres“ Starren. Betroffene Hunde können durch die Episoden, die epileptischen Anfällen ähneln, schwer beeinträchtigt und unfähig sein, sich kontrolliert zu bewegen; sie geraten unter hohen Stress, bleiben jedoch bei Bewusstsein und (bedingt) ansprechbar und verlieren auch nicht die Kontrolle über ihre Blase oder ihren Speichelfluss. Die Episoden dauern wenige Minuten bis mehrere Stunden und können mehrmals am Tag vorkommen. Die Lebenserwartung gilt als nicht verkürzt.

Bekannte Auslöser der paroxysmalen Dyskinesie sind körperliche Anstrengung, hohe Anspannung, Aufregung, Erschrecken (z. B. vor lauten Geräuschen) und dadurch induzierte plötzliche Bewegungen, Diese Auslöser sollten bei betroffenen Hunden nach Möglichkeit eingedämmt werden. Beim Border Terrier wurde zudem ein Zusammenhang mit Glutenunverträglichkeit nachgewiesen.

Es sind bisher wenige Deutsche Spitze bekannt, bei denen eine paroxysmale Dyskinesie festgestellt wurde; das diagnostische Verfahren ist zudem sehr aufwendig. Dennoch berichten Besitzer betroffener Spitze, dass auch bei ihren Hunden eine vollständig glutenfreie Ernährung zur Verbesserung der Symptomatik beigetragen hat. Ein verlässlicher Gentest für die paroxysmale Dyskinesie beim Deutschen Spitz steht noch nicht zur Verfügung. Somit empfiehlt sich einstweilen aus unserer Sicht, bei Entscheidungen zur Verpaarung analog zu unseren Überlegungen zur Epilepsie (s. o.) größte Vorsicht walten zu lassen.

Canaan Dog

Vor der Zuchtzulassung abzuklären

1. Erbliche Augenerkrankungen

Zu den abzuklärenden Augenerkrankungen siehe oben. Bei den Canaan Dogs muss die Augenuntersuchung durch qualifizierte Fachtierärzte für Augenheilkunde, die dem DOK (Dortmunder Kreis) angehören, oder durch vergleichbar qualifizierte Fachtierärzte für Augenheilkunde oder Veterinärmediziner mit der Zusatzbezeichnung „Augenkrankheiten“ erfolgen.

2. Hüftgelenksdysplasie

Die Hüftgelenksdysplasie tritt eher bei mittelgroßen und großen Hunderassen auf, kommt jedoch auch bei kleineren Hunden vor. Betroffene Hunde zeigen eine Fehlbildung des Hüftgelenks, in deren Folge der Oberschenkelkopf keinen hinreichenden Halt in der Hüftgelenkspfanne findet. Durch die zu hohe Beweglichkeit des Oberschenkelkopfes werden die Nervenfasern der Knochenhaut am Rand der Hüftgelenkspfanne gereizt, so dass entsprechende Schmerzen entstehen, je nach Schwere der HD auch schon bei sehr jungen Hunden. Bei älteren Hunden kann es zu Arthrosen kommen. Typische Symptome sind zunehmende Beschwerden in der Bewegung, z. B. beim täglichen Spaziergang; betroffene Hunde zeigen einen instabilen Gang, lahmen, setzen sich hin oder lassen sich fallen, gegebenenfalls begleitet durch Winseln oder Jaulen.

Die Hüftgelenksdysplasie ist erblich veranlagt, die Ausbildung der Hüftgelenke des individuellen Hundes ist jedoch, auch wenn z. B. eines der Elterntiere eine HD aufweist, nicht eindeutig vorhersagbar. Auch können ideale Haltungsbedingungen nur begrenzt, manchmal auch gar nicht gegensteuern. Verkompliziert wird die Problematik auch dadurch, dass der Grad der tatsächlich zu beobachtenden Symptome nicht dem Grad der Dysplasie oder Arthrose entsprechen muss. Nicht alle Hunde mit schwerer HD zeigen auch schwere Symptome, während andere mit geringgradiger HD sichtbare Probleme und auch Schmerzen haben können.

Daher ist mit Blick auf die Zucht mit betroffenen Tieren größte Vorsicht geboten, da von HD betroffene Hunde zwar keine oder nur geringfügige Symptome zeigen können, die Veranlagung für die HD aber an ihre Welpen vererben können, die dann auch deutlichere Symptome, Schmerzen und Lahmheit etc. entwickeln können. Daher wird vor der Zuchtzulassung eines Kanaan-Hundes im DCNH e. V. zunächst mit Hilfe von Röntgenaufnahme der Hüftgelenke (unter Narkose) festgestellt, ob eine Hüftgelenksdysplasie vorliegt. Ob und wie stark der Hund betroffen ist, wird in entsprechenden Graden festgelegt:

A = kein Hinweis auf eine Hüftgelenksdysplasie
B = Grenzfall, Übergangsform zur Hüftgelenksdysplasie
C = leichtgradige Hüftgelenksdysplasie
D = mittelgradige Hüftgelenksdysplasie
E = hochgradige Hüftgelenksdysplasie

Hunde mit den HD-Graden A und B dürfen ohne Auflagen miteinander verpaart werden. Für Hunde mit HD-Grad C wird eine Zuchtgenehmigung nur für einen Partner mit HD-Grad A oder B und mit der weiteren Auflage erteilt, dass die Welpen aus diesem Wurf einer Nachzuchtbeurteilung (in der Regel auf einer Ausstellung) zugeführt werden. Nur wenn mindestens 50 % dieser Welpen einen HD-Grad A oder B aufweisen, darf das Elterntier mit HD-Grad C noch einmal zur Zucht eingesetzt werden (mit den entsprechenden Auflagen).
Hunde mit den HD-Graden D und E sind von der Zucht ausgeschlossen.

3. Degenerative Myelopathie

Bei der degenerativen Myelopathie (DM) handelt es sich um eine Degeneration der Nerven im Rückenmark des betroffenen Hundes, die erst ungefähr ab dem 8. Lebensjahr einsetzt und sich üblicherweise zunächst durch unkoordinierte Bewegungen und Ausfallerscheinungen in der Hinterhand zeigt, schließlich aber auch auf die Vorderläufe ausbreitet. Die degenerative Myelopathie ist nicht heilbar und führt in der Regel dazu, dass der betroffene Hund eingeschläfert werden muss. Die Erkrankung kommt in einigen Hunderassen vor, fällt aber nicht immer auf, da gerade bei allgemein weniger langlebigen Rassen als den Kanaan-Hunden Tiere mit Risiko für DM vor Ausbruch der Erkrankung versterben.

Die degenerative Myelopathie wird autosomal-rezessiv vererbt, Hunde können frei (N/N), Träger (N/DM) oder „at risk“ (DM/DM) sein. Bevor es einen entsprechenden Gentest gab, war die Situation für Züchter auch deshalb so schwer einzuschätzen, weil weitere genetische Faktoren und Umwelteinflüsse zum Ausbruch der Erkrankung beizutragen scheinen und selbst Hunde mit zwei Kopien des mutierten Gens, die also „at risk“ für die Erkrankung sind, diese nicht zwingend entwickeln. Bei der Zucht ist dennoch darauf zu achten, dass zwar weiterhin Träger zum Einsatz kommen können, um den Genpool der Canaan Dogs, wie bei anderen Rassen auch, nicht zum größeren Schaden der Population einzuschränken; dass diese Träger aber nur mit DM-freien Hunden verpaart werden. Statistisch entstehen aus einer solchen Verpaarung dann 50 % freie Welpen und 50 % Träger.

Die Verpaarung eines „at risk“-Hundes mit einem DM-freien Zuchtpartner wäre ebenfalls denkbar, würde jedoch unweigerlich dazu führen, dass alle aus dieser Verpaarung entstehenden Welpen wiederum DM-Träger wären. Vom Zuchteinsatz eines „at risk“-Hundes würden wir daher Abstand nehmen, da aus unserer Sicht die Population der Canaan Dogs aktuell nicht derart gefährdet ist, dass ein Wurf mit Welpen, die allesamt Träger der degenerativen Myelopathie wären, gerechtfertigt erschiene.

Darüber hinaus zu beobachten

CDDY/IVDD

(Chondrodystrophie und Hansen´s Type I Intervertebral Disc Disease):

Die Chondrodystrophie (CDDY) ist primär ein Problem der chondrodystrophen Rassen, die einen sehr anders gearteten Körperbau aufweisen als die Canaan Dogs; sie geht einher mit verkürzten Gliedmaßen und einer Störung der Knorpelbildung im Nucleus Pulposus, dem inneren Gallertkern der Bandscheibe. In der Folge erhöht sich bei betroffenen Tieren das Risiko für Bandscheibenvorfälle (Type I Intervertebral Disc Disease, IVDD), die bereits bei Junghunden auftreten und zu entsprechenden Schmerz- und Lähmungserscheinungen führen können. Betroffene Hunde weisen eine Genmutation auf, die heute durch einen Gentest identifiziert werden kann, jedoch führt diese Mutation nicht automatisch zu einer Erkrankung an IVDD, sondern erhöht das Risiko um ca. 5-15 %, wobei chondrodystrophe Rassen einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind. Nach aktuellem Forschungsstand haben zwar Hunde, die das CDDY/IVDD-Gen mischerbig tragen, ein ähnliches Risiko einer Erkrankung wie reinerbig betroffene Hunde, jedoch kann für das individuelle Tier anhand der bisher vorliegenden Datenlage das konkrete Risiko, die Krankheit zu entwickeln, nicht vorhergesagt werden. Zudem gibt es Rassen wie den Beagle oder den Cocker Spaniel, in denen nahezu jedes Tier das CDDY/IVDD-Gen trägt, die meisten Hunde aber keine entsprechenden Symptome entwickeln. Daher geht die Forschung davon aus, dass es weitere sowohl genetische als umweltbedingte Einflüsse gibt, welche die Krankheit zum Ausbruch bringen.

Ein Canaan Dog mit tatsächlicher Erkrankung an IVDD ist uns bisher nicht bekannt. Wir beobachten die Gesundheit aller unserer Hunde sehr genau und halten es grundsätzlich für sinnvoll, insbesondere bei Canaan Dogs mit IVDD-Gen auf Schlankheit und ausreichende, aber nicht übertrieben belastende Aktivität zu achten. Sollten wir einmal einen Canaan Dog mit IVDD-Gen haben, würden wir nach jetzigem Stand, solange keine Erkrankung erkennbar wird, seine Aktivitäten nicht einschränken. Lucy und Luca sind frei von IVDD.

In Ermangelung hinreichend negativer, konkreterer Informationen sehen wir für eine Besorgnis bzgl. IVDD bei den Canaan Dogs aktuell keinen Anlass, werden die Erkenntnislage aber weiterhin aufmerksam verfolgen. Die Forschung hat die Frage zu klären, ob das CDDY/IVDD-Gen seinen negativen Effekt auch bei dieser Rasse haben kann.